Unbekannte flexen Hakenkreuz von Kirchenglocke

Schweringen hatte eine Kirchenglocke mit einem Hakenkreuz und hat heftig darüber diskutiert. Die Gemeinde hatte im März entschieden, dass die Glocke trotzdem wieder läuten soll. Jetzt hat jemand das NS-Symbol abgeflext.


Hakenkreuz-Glocke in der Kirche in Schweringen. - Autor: GARTMANN, Fabian

In Schweringen im Kreis Nienburg hat eine lange Debatte ein abruptes Ende gefunden: Seit Monaten streitet das Dorf um die Frage, was mit einer Glocke der örtlichen Kirche passieren soll, auf der ein Hakenkreuz prangte. Es prangt nicht mehr: Kurz vor Ostern hat jemand mit einer Flex Tatsachen geschaffen und das Nazi-Symbol entfernt.

Schweringen ist eine gepflegte Gemeinde, 800 Einwohner, selbstbewusster Menschenschlag. Eine stabile, heile Welt. Vor einem halben Jahr aber bekam die Fassade Risse: Pastor Jann-Axel Hellwege entdeckte, dass im Turm der Schweringer Kirche, in dem drei Glocken hängen, eine ein Hakenkreuz und eine eindeutige Aufschrift trägt: „Aus Not und aus Nacht ist Deutschland erwacht / dies Kreuz gab Gelingen / half Zwietracht bezwingen.“

Ähnliche Fälle gibt es im Saarland, in Rheinland-Pfalz und auch in Faßberg bei Celle – allerdings ist das Faßberger Hakenkreuz klein. In Schweringen maß es 35 mal 35 Zentimenter.

Und dort bekam die Debatte, wie man mit der Hinterlassenschaft auf der 1934 gegossenen, 1200 Kilo schweren Glocke umgeht, schnell verkniffene Züge. Die Schweringer mögen es nicht, wenn jemand sich in ihre Angelegenheiten mischt. Das bekamen die zu spüren, die in der Hakenkreuzfrage von außen Ratschläge gaben – etwa die Landeskirche, die aus dem fernen Hannover mitteilen ließ, die Glocke solle möglichst weg. Auch die Diskussionsbeiträge einer Gruppe von etwa zehn Einwohnern, die sich als Glocken-Gegner outeten und im Ort als Zugezogene gelten, wurden mit Missbilligung aufgenommen.

Die Mehrheit wollte die Glocke

Immerhin hatte man die Glocke vorerst stillgelegt, samt Stundenschlag. Das wiederum brachte die Alteingesessenen in Rage. Eine Bürgerversammlung ergab: Die Mehrheit will die Glocke behalten. Mitte März entschied der Kirchenvorstand, die Glocke solle weiterläuten. Mit Hakenkreuz.

Das war ein Votum, das Pastor Hellwege nicht erwartet hatte. Er hätte sich eine neue Glocke gewünscht, und die alte hätte er zu Dokumentationszwecken ausgestellt. Der Pastor focht den Entscheid an.

Das Verfahren war also noch in der Schwebe. Bis Hellwege am Gründonnerstag entdeckte, dass das Corpus Delicti nicht mehr vorhanden war: Jemand war auf den Turm gestiegen und hatte das NS-Symbol und den Satzteil mit der Zwietracht abgeflext. An der Kirchentür hing ein Bekennerschreiben mit der Überschrift „Frühjahrsputz 2018“. Man wolle nicht zusehen, wie das Dorf auf eine Spaltung zurenne.

Gespalten sei der Ort längst, diagnostiziert Detlef Meyer, Bürgermeister der Samtgemeinde Hoya, zu der Schweringen gehört. Namensvetter Bernd Meyer, der Ortsbürgermeister, sagt: „Die Probleme löst man so ja auch nicht.“ Niemand scheint glücklich mit der Aktion. Es gab keine Einbruchsspuren, der Täter hat wohl einen der 15 bis 20 Kirchenschlüssel benutzt, die es in Schweringen gibt. Im Ort herrscht Schweigen. Das NS-Symbol und der „Zwietracht“-Satz sind jetzt weg, die Zwietracht ist geblieben.

Landessuperintendentin Petra Bahr erklärte, sie könne „nachvollziehen, wenn jetzt Fakten geschaffen worden sind“. Andererseits stehe die Gemeinde weiter in der Pflicht zur Aufarbeitung der Geschichte. Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer wünscht sich, dass die Landeskirche dabei vor Ort mithilft.

Jetzt soll erst mal ein Sachverständiger klären, ob die Glocke noch klingt.

STREBE, Bert

Hannoversche Allgemeine (03-04-2018)

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